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TNS Infratest Trendletter Ein Informationsdienst zum Meinungsbild in Deutschland
Die aktuelle politische Stimmung in Deutschland
BSE ist Thema Nummer eins im Januar
Die Nachrichten über BSE-Fälle auf deutschen Höfen haben im Meinungsbild der Deutschen deutliche Spuren hinterlassen. Gefragt nach den Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die sie aktuell persönlich am meisten beschäftigen, nennen im Januar vier von zehn (41 Prozent) die neuartige Rinderkrankheit. Mit einer ähnlichen Eindeutigkeit dominierten zuletzt im Oktober die hohen Benzinpreise (44 Prozent) die Problem-Agenda der Deutschen.
BSE hat sich damit zum Jahreswechsel an die Themenspitze katapultiert. Noch Mitte November des vergangenen Jahres – also vor dem Bekanntwerden der ersten deutschen BSE-Fälle - beschäftigte die Rinderseuche gerade einmal ein Prozent der Befragten. Besonders sensibilisiert zeigen sich gegenwärtig die Hausfrauen (51 Prozent) sowie die Anhänger der Grünen (57 Prozent). Generell weniger angesprochen durch die Diskussion um BSE sind die Bürger in den neuen Bundesländern. Nur drei von zehn Ostdeutsche (29 Prozent) einigen sich auf BSE als dem wichtigsten aktuellen Thema, in den alten Bundesländern ist es knapp die Hälfte (44 Prozent).
Alle anderen Themen werden durch BSE deutlich in den Hintergrund gerückt. Die Rententhematik – im November das Spitzenthema – landet mit 15 Prozent der Nennungen (-10) nur noch auf den zweiten Platz. Auch die Debatte um Benzinpreise bzw. die Ökosteuer erregt die Deutschen im Januar kaum noch, für Aktionen der Berliner Oppositionsparteien gegen die dritte Stufe der Ökosteuer fehlt momentan der Resonanzboden: Für gerade einmal sechs von hundert Deutschen (6 Prozent) ist die Energiepreisbildung im Januar persönlich das wichtigste Thema. Genauso viele Deutsche benennen den Einsatz von Plutonium-Munition auf dem Balkan. Die jüngsten Berichte über mögliche Krankheitsfolgen unter den dort stationierten Soldarten beschäftigen im Januar ebenfalls sechs Prozent.
Am Ende der relevanten Themen stehen zu Jahresbeginn die Trends an der Börse sowie das Scheidungsdrama zwischen Boris und Barbara Becker. Die Sorge um die Aktienperformance bewegt im Januar immerhin vier Prozent der Deutschen, gegenüber November ein Plus von zwei Prozentpunkten. Für ebenso viele Deutsche ist die aktuelle Auseinandersetzung zwischen Boris und Barbara Becker das Thema Nummer eins.
BSE-Seuche verändert Speiseplan ![]() Ende November, als der erste BSE-Fall in Deutschland bekannt wurde, äußerten 22 Prozent der Bundesbürger die Absicht, kein Rindfleisch mehr essen zu wollen. Vor dem Hintergrund der steigenden Zahl erwiesener BSE-Fälle hat die Zahl der Rindfleischverächter unter den Deutschen zugenommen. Zusätzlich zu den 5 Prozent überzeugten Vegetariern geben 32 Prozent der Konsumenten an, zumindest vorerst kein Rindfleisch mehr essen zu wollen, weitere 29 Prozent haben den Verzehr nach eigener Aussage eingeschränkt. Nur 34 Prozent sehen nach wie vor keinen Grund, ihre Essgewohnheiten zu verändern – im Dezember lag dieser Anteil noch bei 42 Prozent. Am gewohnten Ernährungsverhalten wollen vor allem Männer, Arbeiter, Konsumenten aus den neuen Bundesländern und jüngere Personen festhalten. Bei letzteren ist allerdings auch die Quote der schon vor der BSE-Krise überzeugten Vegetarier mit 9 Prozent besonders hoch.
Fischers Tätlichkeiten: Jugendsünden Joschkas ![]() Der Bundesaußenminister Joschka Fischer hat öffentlich zugegeben, in den siebziger Jahren tätlich gegen Polizisten vorgegangen zu sein und sich mittlerweile dafür auch entschuldigt. Zwei Drittel der Bevölkerung bewerten diese Tätlichkeiten als eine nicht nur im juristischen Sinne verjährte Jugendsünde. 19 Prozent sehen darin eine ernsthafte Belastung für das Amt des Außenministers, aber nur 9 Prozent werten dies als Rücktrittsgrund.
Schweiz ist beliebtestes Nachbarland ![]()
Von allen unmittelbar angrenzenden Nachbarländern ist den Deutschen die Schweiz am sympathischsten. Auf einer Skala, auf der die Sympathie bzw. Antipathie gegenüber den Nachbarländern durch Werte von + 5 und –5 ausgedrückt werden konnte, schneidet die Schweiz mit einem Durchschnittswert von 2,6 am besten ab. Knapp dahinter folgt Dänemark (2,5). Im Urteil der Deutschen etwa gleichauf liegen Luxemburg (2,3), Frankreich (2,2) sowie die Niederlande (2,2). Während Österreich und Belgien im hinteren Mittelfeld platziert sind, belegen die östlichen Nachbarn Tschechien (0,8) und Polen (0,5) die beiden letzten Plätze.
Was die Beliebtheit ihrer Nachbarländer anbetrifft, kennen Ost- und Westdeutsche ihre jeweils eigenen Favoriten. Den größten Anklang bei den Westdeutschen findet eindeutig die Schweiz (2,6). Zwar hat der südliche Nachbar auch unter den Ostdeutschen ein sehr hohes Ansehen (2,8), ihre größten Sympathien bringen die Bürger der fünf neuen Bundesländer jedoch Dänemark (2,9) entgegen. Unterschiedlich ist die Sicht von Ost- und Westdeutschen auch im Hinblick auf Österreich. Während der Alpenstaat bei den Ostdeutschen das drittbeliebteste Land ist, nimmt er bei den Westdeutschen lediglich den drittletzten Platz ein. Gemeinsam ist den Bürgern in den alten und den neuen Bundesländern, dass sie den westlichen Nachbarstaaten emotional näher stehen als den östlichen: Allerdings erhalten Tschechien und Polen von den Ostdeutschen einen deutlich besseren Wert als von den Westdeutschen (Tschechien: Ost = 1,5; West = 0,6; Polen: Ost = 0,8; West = 0,4), jedoch stehen beide Länder auch in den neuen Bundesländern ganz am Ende der Beliebtheitsskala. |
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