TNS Infratest Trendletter

Ein Informationsdienst zum Meinungsbild in Deutschland

 

Die aktuelle politische Stimmung in Deutschland

 

 

Ihre Ansprechpartner:  

März 2002

     
Infratest dimap
Roberto Heinrich
Moosdorfstraße 7-9
12435 Berlin
t 030 53322 - 153
e   roberto.heinrich@tns-infratest.com
TNS Infratest
Martin Kögel
Landsberger Straße 338
80687 München
t 089 5600 - 1406
e   martin.koegel@tns-infratest.com
 

 

 

Spiritualität: Sieben von zehn glauben an einen Gott 1)

 

Auch das Zeitalter wissenschaftlichen Fortschritts lässt Raum für ein Bedürfnis nach Spiritualität und Transzendenz. Auf die Frage, ob sie an einen Gott glauben, antworten sieben von zehn Deutschen (67 Prozent) mit ja. Nur knapp jedem dritten Deutschen (30 Prozent) sind religiöse Gefühle fremd. Glaubensvorstellungen prägen besonders stark die Generation der älteren Deutschen: Mehr als drei Viertel der über 60jährigen (78 Prozent) bekennen, an einen Gott zu glauben. In den nachwachsenden Generationen ist religiöser Glaube deutlich seltener zu finden. Bei den 18-29jährigen ist nur noch knapp jeder zweite (53 Prozent) vom Wirken einer göttlichen Macht überzeugt. Ein weiterer gesellschaftlicher Bedeutungsverlust von Glaubensüberzeugungen ist folglich nicht ausgeschlossen. Somit könnte die Wirklichkeit in den neuen Bundesländern eine denkbare Entwicklungsperspektive für die gesamtdeutsche Gesellschaft liefern. Im deutschen Osten überwiegt bereits heute das Desinteresse an religiösen Erklärungsmustern und Sinnangeboten: Zwei Drittel der Ostdeutschen (66 Prozent) erklären, nicht an einen Gott zu glauben, in den alten Bundesländern bekennt sich nur jeder fünfte (22 Prozent) als Atheist.

 

 

Unvergänglichkeit: Vier von zehn glauben an ein Leben nach dem Tod 1)

 

Der Glaube der Deutschen an einen Gott geht nicht in gleichem Maße einher mit der Überzeugung an ein Weiterleben nach dem Tod. Den Glauben an ein Leben nach dem Tod teilen 44 Prozent der Deutschen, jeder zweite Deutsche (49 Prozent) glaubt nicht daran. Vom Leben nach dem Tod sind insbesondere Frauen (51 Prozent) überzeugt. Interessanterweise stehen auch die 18 bis 29jährigen der Vorstellung von Unsterblichkeit besonders nahe (52 Prozent). Unabhängig, ob für sie Gottesvorstellungen eine Rolle spielen oder nicht, glauben die jungen Deutschen häufiger an ein Leben nach dem Tod als die älteren. Damit zeigt sich, dass eine gewisse Sehnsucht nach Spiritualität in der Generation der jungen Deutschen durchaus besteht, offensichtlich aber speist sie sich weit mehr aus nichtchristlichen Quellen als bei den älteren Deutschen. So wie Gottesvorstellungen in den neuen Bundesländern kaum verbreitet sind, stößt auch der Glaube an die eigene Unsterblichkeit im Osten nur auf wenig Resonanz. Ist in den alten Bundesländern jeder zweite (50 Prozent) von Formen des Weiterlebens überzeugt, ist es in den neuen Bundesländern nur jeder fünfte (21 Prozent).

 

 

Sympathien: Spanier haben bei den Deutschen den besten Ruf 2)

 

Von insgesamt 12 abgefragten Nationalitäten genießen die Spanier bei den Deutschen den besten Ruf. Nach ihrer Meinung über die Spanier gefragt, geben 81 Prozent der Deutschen eine wohlwollende Antwort, gerade einmal 6 Prozent äußern sich kritisch über die Spanier. Damit liegen die Bewohner von der iberischen Halbinsel knapp vor den Italienern und den Franzosen, über die mehr als drei Viertel der Deutschen ein positives Bild verfügt. Griechen, Holländer (jeweils 77 Prozent) und Österreicher (76 Prozent) folgen dicht dahinter auf den weiteren Plätzen. Der Ruf, der den Amerikanern und Engländern in Deutschland vorauseilt, reicht nur für eine Position im Mittelfeld, gut zwei Drittel besitzen über die Amerikaner (69 Prozent) bzw. die Engländer (66 Prozent) eine gute Meinung.

 

 

Ein positives Urteil bestimmt ebenso den Blick der Deutschen auf die Türken: sechs von zehn (59 Prozent) erklären, sie hätten über diese alles in allem eine gute Meinung. Mit einem gewissen Ansehens-Rückstand haben auch über zehn Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhanges die Osteuropäer zu kämpfen. Die Tschechen schneiden dabei noch am besten ab. Mehr als jeder zweite Deutsche (55 Prozent) äußert sich zu den Nachbarn im Südosten positiv. Russen (50 Prozent) und Polen (48 Prozent) genießen dagegen nur bei knapp jedem zweiten Deutschen einen guten Ruf.
Junge Deutsche stehen den abgefragten Nationen überdurchschnittlich offen gegenüber. Zugleich zeigt sich, dass ihre Sympathien in andere Richtungen gehen als die der älteren: Kommen bei den 18-29jährigen die Spanier (90 Prozent) und Italiener (87 Prozent) am besten an, sind es bei den über 60jährigen die Franzosen (77 Prozent) und Holländer (74 Prozent).
Unterschiede bestehen auch im Urteil der Ost- und Westdeutschen. Im Osten führen die Österreicher (82 Prozent) die Sympathie-Liste an, im Westen die Spanier (83 Prozent). Tschechen (72 Prozent) und Russen (61 Prozent) genießen in den neuen Bundesländern ein deutlich größeres Renommee als in den alten Bundesländern (Tschechen: 51 Prozent; Russen: 47 Prozent). Dagegen fällt das Meinungsbild gegenüber den Amerikanern und den Türken im deutschen Osten weniger positiv aus als im Westen. 

 

 

Hintergrundinformationen:
 

Für die repräsentative Untersuchung hat NFO Infratest zwischen dem 28 Januar und 06. Februar 1) bzw. zwischen dem 04. und 13. März 2) jeweils 1.100 Wahlberechtigte in Deutschland befragt. Die beiden Befragungen wurden als computergestützte Telefonerhebungen (CATI) angelegt. Die Auswahl der Zielpersonen erfolgte als repräsentative Zufallsauswahl. Bei der Auswahl der Zielhaushalte kam das random-digit-dialing-Verfahren, bei der Auswahl der Zielpersonen im Haushalt der sogenannte Schwedenschlüssel zur Anwendung. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine Verallgemeinerung der ermittelten Befunde auf die Gesamtheit aller Wahlberechtigten bei einer Fehlermarge von plus/minus 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten.