TNS Infratest Trendletter

Ein Informationsdienst zum Meinungsbild in Deutschland

 

Die Deutschen und ihr Gesundheitssystem

 

 

Ihre Ansprechpartner:  

Februar 2004

     
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Wissen: Gesundheitsreform gleich Praxisgebühr

 

Mit der seit Januar geltenden Gesundheitsreform verbinden die Deutschen vor allem die so genannte Praxisgebühr. Auf die offen gestellte Frage, welche Neuerungen ihnen aus der Gesundheitsreform bekannt sind, verweisen 85 Prozent auf die gerade eingeführte Arztgebühr. Kein anderes Element der jüngsten Reformen besitzt eine vergleichbare Bekanntheit, auch nicht die erhöhten Arzneimittelzuzahlungen für rezeptpflichtige Präparate, von denen jeder Zweite (48 Prozent) weiß. Am dritthäufigsten wird die ab 2005 anstehende Zusatzversicherung des Zahnersatzes (13 Prozent) genannt, gefolgt von der gestrichenen Erstattung nicht-rezeptpflichtiger Präparate (11 Prozent) sowie dem Wegfall der Zuschüsse für Brillen und Sehhilfen (10 Prozent), die etwa jedem Zehnten ein Begriff sind.

 

 

Konsequenzen: jeder Fünfte will seltener zum Arzt

 

Einen Monat nach Einführung der neuen Zuzahlungs- und Finanzierungsregelungen glauben 41 Prozent der Deutschen, dass die Gesundheitsreform ihr bisheriges Verhalten nicht wesentlich verändern wird. Wer stattdessen eine Reaktion in Aussicht stellt, will am ehesten die Häufigkeit seiner Arztbesuche reduzieren. Jeder Fünfte (21 Prozent) trägt sich mit entsprechenden Gedanken. Sieben Prozent der Deutschen überlegen, die Krankenkasse zu wechseln, sich privat zu versichern oder zumindest eine Zusatzversicherung abzuschließen. Eine gesündere Lebensweise als unmittelbare Konsequenz der Gesundheitsreform ist für 6 Prozent der Deutschen ein Thema. 2 Prozent wollen bewusst in anderen Bereichen sparen, um so mögliche Mehrbelastungen aufzufangen.

 

 

Gesundheitskosten: Akzeptanz für Eigenbeteiligung gestiegen

 

Die Akzeptanz der jüngsten Reformmaßnahmen im Gesundheitsbereich fällt gering aus. Die Praxisgebühr als der bekanntesten Neuregelung bewertet gerade einmal ein Viertel der Deutschen als eine gute Sache. Unabhängig davon hat die Reformdiskussion im Bewusstsein der Deutschen bereits erkennbare Spuren hinterlassen: Ende 1999 bekundete nur jeder Dritte (33 Prozent), dass er bereit sei, in Zukunft mehr Geld für seine Gesundheit aus der eigenen Tasche zu bezahlen, 65 Prozent verneinten dies. Gut vier Jahre später erklären sich 46 Prozent in der Zukunft zu einer stärkeren Kostenbeteiligung bereit. Damit ist die prinzipielle Akzeptanz einer vermehrt privaten Kostenübernahme im Gesundheitswesen deutlich angewachsen, auch wenn sich mit 51 Prozent weiterhin der größere Teil der Deutschen gegen diesen Gedanken wehrt.

 

 

Wie schon 1999 fällt die Zustimmung zu einer privaten Kostenübernahme im Gesundheitswesen bei den gering Verdienenden (38 Prozent) und damit den ressourcenschwachen Bevölkerungsgruppen am niedrigsten aus. Allerdings hat gerade hier die Akzeptanz einer Eigenbeteiligung an den Gesundheitskosten besonders zugenommen und sich binnen vier Jahren nahezu verdoppelt.

 

Ärztliche Versorgung in der Zukunft: Sorgen gewachsen

 

Auffallend ist, dass die gestiegene Bereitschaft der Deutschen, mehr Geld privat für Gesundheitszwecke auszugeben, von wachsenden Sorgen um das künftige medizinische Versorgungsniveau begleitet wird. Zwar ist knapp die Hälfte (48 Prozent) der Meinung, die ärztliche Versorgung fiele für sie in der Zukunft genauso gut aus wie bislang, etwa ebenso viele (45 Prozent) aber rechnen mittlerweile mit einer Verschlechterung, nur 2 Prozent mit einer Verbesserung. Ende 1998 glaubte ebenfalls jeder Zweite (49 Prozent), das bestehende gute Niveau in der ärztlichen Versorgung bliebe künftig erhalten. Jedoch befürchteten damals nur 37 Prozent eine negative, immerhin jeder Zehnte (11 Prozent) dagegen eine positive Entwicklung.

 

 

Die Sorge um die eigene medizinische Versorgung bewegt neben den Arbeitern (54 Prozent) vor allem die Arbeitslosen (62 Prozent). Ihre Angst, künftig schlechter versorgt zu werden, hat gegenüber 1998 sogar überdurchschnittlich zugenommen. Dies gilt auch für die Gruppe der jungen Deutschen, den unter 18jährigen. Blickte von ihnen vor fünf Jahren gerade einmal jeder Dritte (32 Prozent) pessimistisch auf die weitere Entwicklung in der Gesundheitsversorgung, ist es nunmehr knapp jeder Zweite (48 Prozent).

 

Hintergrundinformationen

 

Für die repräsentative Untersuchung hat TNS Infratest zwischen dem 27. Januar und dem 04. Februar 1.000 Wahlberechtigte in Deutschland befragt. Die Befragung wurde als computergestützte Telefonerhebung (CATI) angelegt. Die Auswahl der Zielpersonen erfolgte als repräsentative Zufallsauswahl. Bei der Auswahl der Zielhaushalte kam das random-digit-dialing-Verfahren, bei der Auswahl der Zielpersonen im Haushalt der so genannte Schwedenschlüssel zur Anwendung. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine Verallgemeinerung der ermittelten Befunde auf die Gesamtheit aller Wahlberechtigten bei einer Fehlermarge von plus/minus 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten.