TNS Infratest Trendletter

Ein Informationsdienst zum Meinungsbild in Deutschland

 

Die Deutschen und der internationale Terrorismus

 

 

Ihre Ansprechpartner:  

April 2004 / II

     
Infratest dimap
Roberto Heinrich
Moosdorfstraße 7-9
12435 Berlin
t 030 53322 - 153
e   roberto.heinrich@tns-infratest.com
TNS Infratest
Martin Kögel
Landsberger Straße 338
80687 München
t 089 5600 - 1406
e   martin.koegel@tns-infratest.com
 

 

 

76 Prozent der Deutschen sehen internationalen Terrorismus als Bedrohung für Deutschland / 65 Prozent fürchten religiöse Konflikte

 

Die politische Entwicklung nach dem 11. September 2001 hat weitreichende Folgen für die Sicht der Deutschen auf aktuelle globale Risiken: So betrachten 76 Prozent der Deutschen den internationalen Terrorismus und 65 Prozent religiöse Konflikte als große bis sehr große Bedrohung für die Bundesrepublik. Damit erreicht der Terrorismus im Risikobewusstsein der Deutschen mittlerweile sogar einen größeren Stellenwert als die Verschmutzung der Umwelt oder armutsbedingte Migrationsbewegungen: Umweltverschmutzung bzw. Klimawandel sehen 69 Prozent als ein großes bis sehr großes Gefährdungspotenzial für die Bundesrepublik, die Zunahme von Armutsflüchtlingen empfinden 51 Prozent als eine Bedrohung.

 

Die herausgehobene Gefahrenbewertung des internationalen Terrorismus ist nicht abstrakt, sondern fußt auf einem konkreten Bedrohungsgefühl. 55 Prozent aller Deutschen fürchten, Deutschland könnte direkte Zielscheibe eines terroristischen Anschlages werden. Damit erreicht die Furcht vor einem Attentat in Deutschland mit 52 Prozent einen ähnlichen Stellenwert wie wenige Tage nach den Angriffen auf New York und Washington. Wie im September 2001 überwiegt die Angst in fast allen Bevölkerungsgruppen. Allein die jungen und die besser gebildeten Bundesbürger sind hinsichtlich einer unmittelbaren Gefährdungslage Deutschlands geteilter Meinung.

 

64 Prozent der Deutschen befürworten eine beschleunigte Abschiebung verdächtiger Ausländer

 

Die verbreitete Furcht, dass auch Deutschland in das Visier von Terroristen geraten könnte oder bereits steht, erleichtert die Zustimmung zu einer restriktiveren Ausländerpolitik. Knapp zwei Drittel der Bundesbürger (64 Prozent) sprechen sich voll und ganz für beschleunigte Abschiebeverfahren gegenüber verdächtigen Ausländern aus. Kaum Probleme haben die Deutschen auch mit der Einführung neuer Technologien zur sicheren Personenidentifizierung: Sechs von zehn (59 Prozent) sind uneingeschränkt für die Verwendung biometrischer Merkmale wie Fingerabdruck oder Iris in Personal- und Reisedokumenten.

 

Präventive Überwachung von Telefon und Autokennzeichen: Mehr als 40 Prozent uneingeschränkt dafür

 

Möglicherweise aus historischen Gründen zeigen sich die Deutschen allerdings bei der Überwachung von Telefon- und Email-Verkehr verdächtiger Personen, aber auch bei der automatischen Erfassung von Autokennzeichen und deren Abgleich mit bestehenden Daten etwas distanzierter. Uneingeschränkt für derartige präventive Maßnahmen sprechen sich 45 bzw. 43 Prozent aus, insgesamt aber überwiegt auch bei diesen Vorschlägen die Zustimmung. Dies gilt nicht für den Abschuss verdächtiger Zivilflugzeuge, sollte ein planmäßig herbeigeführter Absturz nicht ausgeschlossen werden können. Der Abschuss als ultima ratio polarisiert die Deutschen: Nur jeder Fünfte (21 Prozent) akzeptiert den Abschuss als letztes Mittel voll und ganz, weitere 25 Prozent unter Vorbehalt. Ihnen stehen 48 Prozent gegenüber, die ein solches Vorgehen eher nicht (32 Prozent) oder gar nicht (16 Prozent) unterstützen.

 

Hintergrundinformationen

 

Für die repräsentative Untersuchung hat TNS Infratest am 20. und 21. April 2004 1.000 Wahlberechtigte in Deutschland befragt. Die Befragung wurde als computergestützte Telefonerhebung (CATI) angelegt. Die Auswahl der Zielpersonen erfolgte als repräsentative Zufallsauswahl. Bei der Auswahl der Zielhaushalte kam das random-digit-dialing-Verfahren, bei der Auswahl der Zielpersonen im Haushalt der so genannte Schwedenschlüssel zur Anwendung. Dies ermöglicht eine Verallgemeinerung der ermittelten Befunde auf die Gesamtheit aller Wahlberechtigten bei einer Fehlermarge von plus / minus 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten. Wo möglich, wurde zu Vergleichszwecken auf frühere Infratest-Erhebungen zurückgegriffen.