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„Geiz ist geil“: Die Deutschen und die Preise

 

 

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18. Oktober 2004

     
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Preissensibilität in Deutschland stark gestiegen: 60 Prozent der Bundesbürger achten stärker auf den Preis als noch vor einem Jahr

 

München / Berlin, 18. Oktober 2004 - Die Deutschen geben sich als Konsumenten derzeit ausgesprochen preisbewusst. Nach eigener Auskunft achten 60 Prozent der Bundesbürger beim Einkauf insgesamt stärker auf den Preis als noch vor einem Jahr, nur für 37 Prozent hat sich in dieser Hinsicht nichts geändert. So gut wie kein Bundesbürger (2 Prozent) gibt an, beim Einkauf weniger auf den Preis zu schauen als vor zwölf Monaten.

 

Diese gewachsene Preissensibilität ist nicht nur bei Bundesbürgern anzutreffen, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. Zwar ist das Bekenntnis zu günstigen Preisen bei Arbeitslosen (80 Prozent) und Geringverdienern (77 Prozent)* am größten, aber auch von den Selbständigen und Besserverdienenden signalisiert fast jeder Zweite, sich beim Einkauf häufiger am Preis zu orientieren als früher.

 

85 Prozent der Deutschen beklagen die Euro-Einführung, 91 Prozent den allgemeinen Geldwertverlust / Aber 73 Prozent sind bereit, für eine gute Beratung einen höheren Preis zu bezahlen

 

Dass die Bundesbürger den Preis mittlerweile stärker bei ihrer Kaufentscheidung berücksichtigen, hat viele Gründe: 85 Prozent beklagen, dass durch die Einführung des Euro alles teurer geworden sei, sogar 91 Prozent, dass man für sein Geld heute generell weniger bekommt als früher. Und 69 Prozent geben an, sich aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation einzuschränken. Vor allem Arbeitslose (89 Prozent) und Geringverdiener (88 Prozent) begründen ihre Orientierung an preiswerten Produkten mit ihrer wirtschaftlichen Lage.

 

Die gewachsene Bedeutung des Preises für das Kaufverhalten bedeutet nicht, dass die Mehrheit der Bundesbürger grundsätzlich das jeweils günstigste Produkt im Blick hat. Drei Viertel der Deutschen (73 Prozent) sind bereit, für eine gute Beratung einen höheren Preis zu bezahlen. Und immerhin jeder Zweite (48 Prozent) nutzt den Preis als Orientierungshilfe, um bei weniger bekannten Produkten deren Qualität abschätzen zu können. Nur 38 Prozent der Deutschen suchen bei wirklich jedem Einkauf gezielt nach dem möglichst preiswertesten Produkt. Stehen aber größere Anschaffungen auf der Tagesordnung, ist für die Deutschen der Preisvergleich und die Suche nach dem preiswertesten Angebot durchaus der normale Weg: Vor dem Kauf eines teuren Produkts informieren sich 89 Prozent der Deutschen möglichst intensiv darüber, wo sich ihr Konsumwunsch am günstigsten realisieren lässt.

 

Auf der Suche nach günstigen Angeboten setzen dabei 26 Prozent der Bundesbürger vermehrt auf das Internet. Entsprechend des Altersgefälles in der Nutzerstruktur ist das Internet vor allem für jüngere Konsumenten attraktiv. Von den unter 30jährigen geben vier von zehn (37 Prozent) an, das Internet zunehmend für den günstigen Einkauf zu nutzen, unter den über 60jährigen ist es deutlich weniger als jeder Fünfte. Auf eine geteilte Meinung treffen die vor einiger Zeit auch in Deutschland aufgekommenen Bonus- und Rabattprogramme. Jeder zweite Bundesbürger (53 Prozent) beklagt, er verlöre mehr und mehr den Überblick, was die Produkte tatsächlich kosten würden. Ältere Konsumenten tun sich in diesem Zusammenhang besonders schwer. Zwei Drittel von ihnen (64 Prozent) bestätigen, durch Bonus- und Rabattprogramme bei der Bestimmung des wirklichen Preises überfordert zu sein.

 

Der Preis ist nicht alles: Vor allem bei Lebensmitteln, Autos und Reisen wird auf die Qualität geachtet

 

So sehr die Deutschen beim Einkauf auch den Preisen mittlerweile eine gewachsene Aufmerksamkeit entgegenbringen, sie schauen nicht einseitig auf den Preis. Die Qualität bzw. die Leistung hinter dem Angebot verlieren die meisten Bundesbürger selten aus dem Auge. Mit Ausnahme von Mobilfunktarifen ist den deutschen Konsumenten bei allen abgefragten Produktsegmenten die Qualität wichtiger als der Preis. Bei Bankdienstleistungen, Lebensmitteleinkäufen, dem Autokauf und der Buchung von Reisen gewichtet etwa jeder zweite Bundesbürger die Qualität bzw. die Leistung höher, beim Kauf von freiverkäuflichen Medikamenten sind es sogar 58 Prozent, beim Abschluss von KFZ-Versicherungen immerhin noch 43 Prozent. Gerade beim Lebensmitteleinkauf, beim Erwerb eines Autos und bei Reisen gibt es allerdings erhebliche Anteile von Bundesbürgern, denen ein akzeptables Verhältnis von Preis und Qualität wichtig ist. Etwa jeder Fünfte gibt hier jeweils spontan an, dass für sie beide Elemente gleich wichtig seien, d.h. Qualität und Preis beim Einkauf stimmen müssen.

 

Hintergrundinformationen

 

Für die repräsentative Untersuchung hat TNS Infratest am 28. und 29. September 2004 1.000 Wahlberechtigte in Deutschland befragt. Die Befragung wurde als computergestützte Telefonerhebung (CATI) angelegt. Die Auswahl der Zielpersonen erfolgte als repräsentative Zufallsauswahl. Bei der Auswahl der Zielhaushalte kam das random-digit-dialing-Verfahren, bei der Auswahl der Zielpersonen im Haushalt der so genannte Schwedenschlüssel zur Anwendung. Dies ermöglicht eine Verallgemeinerung der ermittelten Befunde auf die Gesamtheit aller Wahlberechtigten bei einer Fehlermarge von plus / minus 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten. Wo möglich, wurde zu Vergleichszwecken auf frühere Infratest-Erhebungen zurückgegriffen.