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TNS
Infratest Trendletter
Ein Informationsdienst zum Meinungsbild in Deutschland

Ist bald Schluss mit dem „Geiz ist geil“-Trend?
Die Bundesbürger und die Preise 2005
- Die Deutschen sind auch 2005 stark preisbewusst
- Qualität hat immer noch Priorität
- 87 Prozent beklagen die Euro-Einführung
- 92 Prozent kritisieren den allgemeinen Geldwertverlust


Die Deutschen sind auch 2005 stark preisbewusst
Mehr als die Hälfte der Konsumenten in Deutschland (54 Prozent) achtet
beim Einkauf stärker auf den Preis als noch ein Jahr zuvor. Für 43
Prozent hat sich in dieser Hinsicht nichts geändert. Kaum jemand (2
Prozent) gibt an, sich weniger am Preis zu orientieren. Damit überwiegen
weiterhin die Konsumenten, die sich eine gewachsene Preissensibilität
zuschreiben, allerdings ist ihr Anteil gegenüber 2004 rückläufig. Vor
einem Jahr bestätigten noch 60 Prozent ein gestiegenes Preisbewusstsein.

Der subjektive Eindruck, den Einkauf stärker am Preis auszurichten, ist
unverändert besonders häufig bei Geringverdienern (64 Prozent) und
Arbeitslosen (59 Prozent) anzutreffen. Dabei gilt nach wie vor, dass
eine gewachsene Preisorientierung nicht allein eine Frage des Geldes
ist: So signalisieren auch 40 Prozent der Besserverdienenden, stärker
auf den Preis zu achten.
Qualität hat immer noch Priorität
Ungeachtet ihres Preisbewusstseins blenden die Deutschen nur ganz
selten Fragen zu Qualität und Leistung völlig aus. Einzig bei der Wahl
von Mobilfunktarifen stehen die preislichen Konditionen eindeutig im
Vordergrund. Dagegen verlieren bei allen anderen abgefragten
Produktgruppen die meisten Bundesbürger Fragen von Qualität und Leistung
nicht aus den Augen – sei es, weil ihnen die Leistung für ihre
Kaufentscheidung wichtiger ist als der Preis oder aber, weil sie
zumindest ein insgesamt ausgewogenes Preis-/Leistungsverhältnis suchen.
Kaum Abstriche an der Qualität machen die Bundesbürger bei
freiverkäuflichen Medikamenten. Mehr als die Hälfte (55 Prozent)
gewichtet hier die vermutete Qualität deutlich höher als den Preis. Bei
Bankdienstleistungen (50 Prozent), Lebensmitteln (51 Prozent), Autokauf
(51 Prozent) und der Urlaubsreise (49 Prozent) gibt etwa jeder Zweite
nach eigenen Angaben der Qualität bzw. dem Leistungsangebot den Vorzug.
Dennoch unterscheiden sich die einzelnen Produktarten. Bei Arzneien,
Finanzdienstleistungen und Lebensmitteln gibt es einen erheblichen
Konsumentenanteil von 26 bis 30 Prozent, der stark preisorientiert ist.
Dagegen steht beim Autokauf und bei der Reisebuchung der reine Preis nur
für jeweils 20 Prozent im Vordergrund. Hier findet man viele
Konsumenten, die ein optimales Preis-/Leistungsverhältnis suchen: Etwa
jeweils 20 Prozent der Befragten geben spontan an, dass für sie bei
Autokauf und Urlaubsbuchung beide Elemente gleich wichtig sind. Ebenso
vielen Konsumenten ist auch beim Kauf von Lebensmitteln wichtig, dass
Qualität und Preis stimmen. Im Vergleich zum Vorjahr ist generell der
Anteil derer gestiegen, die weder einseitig auf Preis oder Qualität bzw.
Leistung setzen, sondern beiden Aspekten eine ähnliche Bedeutung für
ihre Kaufentscheidung einräumen.

87 Prozent der Deutschen beklagen die Euro-Einführung, 92 Prozent den
allgemeinen
Geldwertverlust Die große Bedeutung des Preises für die Deutschen hat
verschiedene Gründe. Ähnlich wie im letzten Jahr beklagen 87 Prozent,
dass durch die Einführung des Euro alles teurer geworden ist. 92 Prozent
kritisieren, dass man für sein Geld heute insgesamt weniger bekommt als
noch vor wenigen Jahren. 63 Prozent und damit etwas weniger als 2004
geben an, sich aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation einzuschränken.
Die hohe Preisorientierung der Deutschen bedeutet jedoch nach wie vor
nicht, dass die Mehrheit der Konsumenten grundsätzlich nach dem jeweils
günstigsten Produkt schielt. 69 Prozent sind weiterhin bereit, für eine
gute Beratung einen höheren Preis zu bezahlen. Der Anteil derer, die
regelmäßig nach dem günstigsten Produkt suchen, liegt bei 24 Prozent und
damit sogar deutlich niedriger als noch vor einem Jahr (38 Prozent).
Auch kauft nur jeder vierte Bundesbürger bevorzugt in Geschäften ein,
die Bonus- und Rabattprogramme anbieten (23 Prozent). An den Umgang mit
derartigen Angeboten scheinen sich die deutschen Konsumenten allerdings
langsam zu gewöhnen. Nach 53 Prozent im letzten Jahr beklagen aktuell
nur noch 46 Prozent, sie täten sich bei derartigen Programmen schwer,
den Überblick über die tatsächlichen Preise zu behalten.
Auch wenn die Deutschen mittlerweile weniger darauf aus sind, ständig
das preisgünstigste Produkt zu kaufen, bleibt der Preisvergleich für sie
ein wichtiges Thema. Beim Lebensmitteleinkauf nimmt die Hälfte der
Bundesbürger (50 Prozent) entsprechende Vergleiche vor. Den Erwerb
teurer Produkte bereiten sogar 85 Prozent mit intensiven Preisrecherchen
vor.
Betroffen sind hiervon nicht zuletzt hochpreisige Markenprodukte. Sie
sind zwar jedem Zweiten (50 Prozent) beim Einkauf wichtig, ihre Preise
aber sehen 60 Prozent der Deutschen als nicht gerechtfertigt an. Wohl
auch deshalb nicht, weil sie dem Preis immer weniger als Qualitätsindiz
zu trauen scheinen. Betonte 2004 noch die Hälfte der Bundesbürger (48
Prozent), sie würden bei fehlenden Produktinformationen den Preis zur
Qualitätsbeurteilung heranziehen, sind es derzeit 42 Prozent.
Hintergrundinformationen
Für die repräsentative Untersuchung hat TNS Infratest Ende September
2005 mehr als 1.000 Wahlberechtigte in Deutschland befragt. Die
Befragung wurde als computergestützte Telefonerhebung (CATI) angelegt.
Die Auswahl der Zielpersonen erfolgte als repräsentative Zufallsauswahl.
Bei der Auswahl der Zielhaushalte kam das random-digit-dialing-Verfahren,
bei der Auswahl der Zielpersonen im Haushalt der so genannte
Schwedenschlüssel zur Anwendung. Dies ermöglicht eine Verallgemeinerung
der ermittelten Befunde auf die Gesamtheit aller Wahlberechtigten bei
einer Fehlermarge von plus / minus 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten. Wo
möglich, wurde zu Vergleichszwecken auf frühere Infratest-Erhebungen
zurückgegriffen.
roatien, dessen EU-Beitritt
ebenfalls diskutiert wird, wurde nicht erhoben. |