TNS Infratest Trendletter

Ein Informationsdienst zum Meinungsbild in Deutschland

 

Wohin geht, wo steht Deutschland?

Das Urteil der Bundesbürger

 

 

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Mai 2006

     
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41 Prozent der Deutschen sagen: „Die Richtung stimmt.“

 

In der Bewertung der gegenwärtigen Entwicklungsrichtung der Bundesrepublik zei-gen sich Indizien für eine erkennbare Stimmungsverbesserung: Nach nur 29 Prozent im Juli 2005 sagen in einer aktuellen Umfrage heute 41 Prozent der Bundesbürger, daß sich Deutschland ganz allgemein betrachtet in die richtige Richtung bewegt. Allerdings ist für eine Mehrheit von 49 Prozent immer noch das Gegenteil der Fall. Damit überwiegt zwar weiterhin eine skeptische Sicht auf die derzeitige Entwicklung des Landes, die Zahl der zuversichtlichen Stimmen ist jedoch in einem knappen Jahr deutlich gestiegen. Ein gewachsenes Vertrauen verspüren vor allem jüngere Bun-desbürger sowie Bürger mit höherem Haushaltseinkommen, von denen fast jeder Zweite (jeweils 46 Prozent) glaubt, das Land bewege sich in die insgesamt richtige Richtung.

 

Ein Land sieht sich im Mittelmaß: Nur 36 Prozent rechnen Deutsch-land zur technologischen Weltspitze /
46 Prozent halten Deutsch-land bei der sozialen Gerechtigkeit für durchschnittlich

 

Die Notwendigkeit für einen Ruck durch Deutschland sehen auch seine Bürger. Ob bei der Entwicklung neuer Technologien oder der Sicherheit vor Verbrechen, ob beim Wohlstandsniveau oder bei der sozialen Gerechtigkeit, der Gastfreundschaft oder der Qualität der Ausländerintegration – die Mehrheit der Bundesbürger sieht ihr Land im internationalen Vergleich hinter den Besten zurück. Nur beim Umweltschutz zählen sich die Bundesbürger zur Weltspitze: 58 Prozent glauben Deutschland unter den Klassenbesten.
 
Dagegen meint nur gut ein Drittel der Befragten (36 Prozent), daß Deutschland zur technologischen Weltspitze gehört. Vor fünf Jahren waren es allerdings mit 25 Prozent noch weniger, die so urteilten. Trotz des wieder gewachsenen Selbstvertrauens bietet Deutschland für mehr als jeden Zweiten (52 Prozent) in der Technologieentwicklung nur Mittelmaß. Auch bei der inneren Sicherheit hebt sich Deutschland für jeden zweiten Deutschen (53 Prozent) nicht von anderen Industriestaaten ab. Für etwa ein Drittel der Deutschen (31 Prozent) ist die Bundes-republik eines der sichersten Länder der Welt. Knapp jeder Zweite (46 Prozent) hält Deutschland bei der sozialen Sicherheit für ein Durchschnittsland, 54 Prozent sind es beim erreichten Wohlstand.
 
Bei der Gastfreundlichkeit sehen zwei Drittel der Deutschen (64 Prozent) das Austragungsland der Fußball-WM im Ländervergleich weder positiv noch negativ herausragen. Jeder Zweite (51 Prozent) wähnt Deutschland hinsichtlich der Qualität der Ausländerintegration auf dem Niveau der meisten anderen Länder. Nach Ansicht von immerhin jedem Fünften (21 Prozent) erreicht Deutschland hier jedoch nicht einmal den internationalen Klassenschnitt. In einem Bereich sieht die Mehrheit der Deutschen ihr Land sogar deutlich abgeschlagen: Bei der Kinder- und Familienfreundlichkeit zählt jeder Zweite (49 Prozent) Deutschland zu den Schlusslichtern.

 

Sozialreformen: 55 Prozent sind zur privaten Kostenbeteiligung für die eigene Altersvorsorge bereit / Aber 58 Prozent lehnen dies bei der Gesundheitssicherung ab

 

Um Deutschland im internationalen Standortwettbewerb konkurrenzfähiger zu machen und den Herausforderungen der demografischen Entwicklung besser entsprechen zu können, drängt die Politik seit längerem auf eine verstärkte private Beteiligung der Bürger an der Finanzierung der Sozialpolitik. Kosten von Alterssicherung und Gesundheit privat mit zu tragen ist zwar unter den Bundesbürgern nicht gerade populär, jedoch erreicht die grundsätzliche Bereitschaft dazu mittlerweile ein beachtliches Niveau. Die Akzeptanz fällt dabei bei der Alterssicherung größer aus als bei den Gesundheitskosten. Mehr als jeder zweite Bundesbürger (55 Prozent) ist prinzipiell bereit, in Zukunft mehr Geld aus der eigenen Tasche für die eigene Altersvorsorge zu bezahlen, 38 Prozent verneinen dies.
 
Bei der Gesundheit erklären sich 41 Prozent der Bundesbürger zu einer stärkeren privaten Kostenbeteiligung in der Zukunft bereit, 58 Prozent lehnen dies jedoch ab. Während bei der Altersvorsorge die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus zu einer hohen prinzipiellen Vorsorgebereitschaft beitrug, haben die bisherigen Gesundheitsreformen die Akzeptanz weiterer Kostenübertragungen nicht erhöht. Aber das Akzeptanzniveau für eine stärkere private Kostenübernahme im Gesundheitswesen ist deutlich höher als noch Ende der 1990er Jahre. Damals bekundete nur jeder Dritte (33 Prozent), er wäre prinzipiell bereit, einen größeren Teil der Gesundheitskosten selbst zu tragen.

 

 

Hintergrundinformationen

 

Für die repräsentative Untersuchung hat TNS Infratest am 9. und 10. Mai 1.000 Wahlberechtigte in Deutschland befragt. Die Befragung wurde als computergestützte Telefonerhebung (CATI) angelegt. Die Auswahl der Zielpersonen erfolgte als repräsentative Zufallsauswahl. Bei der Auswahl der Zielhaushalte kam das random-digit-dialing-Verfahren zur Anwendung, bei der Auswahl der Zielpersonen im Haushalt der so genannte Schwedenschlüssel. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine Verallgemeinerung der ermittelten Befunde auf die Gesamtheit aller Wahlberechtigten bei einer Fehlermarge von plus/minus 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten.